JUGENDKULTURaustausch 2018 – trinationale musikalische Begegnung

 

Coventry

Das zweite Jahr ein Jugendkulturaustausch mit jungen regionalen Musikern aus Kiel und Coventry. 2018 waren Overseer als britische Gäste zur Kieler Woche bei uns und den Gegenbesuch in Coventry starteten The Opposite of Silence in Begleitung von Franzi und Ole.

Ole berichtet:

Um 8 Uhr morgens angekommen begutachteten wir erstmal die Einkaufspassage in Coventry, da wir erst um 14 Uhr im Hotel einchecken konnten. Dort gönnten wir uns erstmal ein typisch britisches Frühstück was gut passte nach so einer langen Reise! Noch 4 Stunden Zeit bis zum Check in, diese nutzten wir natürlich direkt im Pub „Kings Cross“ aus. Glücklich nach 4 Stunden Pub und ein paar spannenden runden „Schummeln“ ging es endlich ins Hotel zum Einchecken. Abends zog es uns nochmals ins Kings Cross wo wir zu Abend aßen und uns mit der Britischen Band aus Coventry Black Whater Fiend trafen und den Tag ausklingen ließen.

Der erste richtige Tag in Coventry begann mit Frühsport, da wir direkt nach dem Frühstück eine Stadtführung bekamen. Nochmal in anderen Augen die Stadt sehen war sehr interessant! Da unser Reiseführer uns den kulturellen und historischen Hintergrund der Stadt, die berühmte Kirche sowie das bekannte Automuseum von Coventry näher brachte. Taschen vollgepackt mit Souvenirs endete die Stadtführung mit einem Mittagessen beim Lord Mayor, den wir in Kiel schon kennenlernen durften. Mir ging nicht mehr aus dem Kopf, wie der nette ältere Herr, der vom Stil eher in einen gelungenen Robin Hood Film passte, davon erzählte wie er in Kiel Urlaub machte und mit dem Dampfer von Kiel nach Laboe fuhr um dort das U-Boot und das Ehrenmal anzugucken. So klein ist die Welt.

Nach dem köstlichen Mittagessen war ein Spaziergang zum Godiva-Festival Gelände genau das, was wir brauchten. Denn heute war der große Tag für Black Whater Fiend, diese hatten beim Contest gewonnen und eine gute Spielzeit auf dem Godiva-Festival ergattert – vielleicht sind sie es sogar, die nächsten Jahr zu uns nach Kiel kommen können. Auf jeden Fall erfreuten wir uns nicht nur an der guten Musik unserer britischen „Mates“ sondern auch ihre backstage Pässe mit Gratis Getränken eröffneten uns in relativ kurzer Zeit neue Freundschaften und unglaubliche Sprachkenntnisse. Ehe wir uns versahen landeten wir in einem typischen englischen Pub. Dort ging es denn relativ schnell in tiefgehende Gespräche über Politik und Europa. Spannend, wie gleich wir uns sind!

Den Freitag noch in den Knochen (oder Magen...) ging es Samstagmorgen nach dem Frühstück wieder auf das Goodiva Festival. Heute hatten The Opposite of Silence ihren Auftritt. Gut organisiert und relativ entspannt machten wir uns zu unserem wohl bekannten Backstage-Bereich auf. Spannend zu sehen wie sich eine Band verhält die gleich vor 10.000 Leuten spielt. So bereiteten sich die Jungs auf ihren Gig vor. Kurz vor dem Auftritt baute sich der Schlagzeuger auf seinem Podest auf, Snare und Becken wurden positioniert und die Go Pro eingestellt. Als es denn um die Doppelfußmaschine ging ein kurzer Schockmoment: das Verbindungsstück für die zweite Pedale lag warm und trocken im Proberaum von TOOS bei Phils Oma im Keller. Panik brach aus, woraufhin Phil lässig begegnet: „ Keine sorge Bryan, ich improvisier!“ Musiker ganz nach meinem Geschmack!

Nun ging es los, bewaffnet mit der Spiegelreflex von Bryan durfte ich meine Film Kenntnisse unter Beweis stellen. Zum Glück kann mir keiner diesen Augenblick nehmen den ich mit Sam, Dan und Karl von Overseer ganz vorne an der Stage hatte, denn mein Gefilmtes war unter aller Sau. Es war sehr schön, Freunde auf so einer großen Bühne spielen zu sehen, ich habe mich sehr für The Opposite of Silence gefreut! Und Abgeliefert haben sie auch!

Am Ende, berauscht vom Gig, ließen wir den Abend entspannt und zeitig ausklingen, da wir früh morgens uns wieder auf die lange Heimreise nach Deutschland machen mussten.

Text: Ole Wischnewsky

 

Brest

Basement Character in der Bretagne:

Moin, wir sind Basement Character. Wir sind eine kleine, lokale Band aus Stein, die sich hauptsächlich im Kieler Umfeld musikalisch betätigt. Wir bestehen aus fünf Leuten, die allesamt sehr gespannt auf unseren Austausch nach Frankreich waren, den wir am 14.09 antreten durften.

In diesem Bericht erzählen wir ein wenig über unsere Eindrücke, Erfahrungen und die tolle Zeit, die wir in Frankreich verbringen durften.

Unsere wilde Fahrt begann am Freitagabend. Beinahe die gesamte Band befand sich schon im gemieteten Bus, ebenso unsere Koordinatorin Eva. Alle warteten noch auf unseren Gitarristen Darius, der direkt aus der Nachtschicht ins Auto zustieg.

Dann ging es los. Fröhlich und vorfreudig, vollbepackt mit Musikinstrumenten und Proviant für die Fahrt machten wir die deutschen Autobahnen unsicher. Gegen Mitternacht erreichten wir die niederländische Grenze, gegen 6 Uhr durchquerten wir Belgien und waren am nächsten Morgen gegen Mittag bei den Jungs von TekMao, unserem französischen Austausch-Pendant. Dort wurden wir sehr herzlich mit guter Stimmung und reichlich Platz zum Schlafen von fünf Jungs und einer jungen Hündin begrüßt.

Nachdem wir unsere Lager aufgeschlagen und die Musikinstrumente verstaut hatten, war an Schlaf nachholen gar nicht mehr zu denken. Die idyllische Lage des fast allein stehenden Hauses lud direkt zum Football spielen, Musizieren, Spazieren und abends Bier trinken und nett den Abend ausklingen lassen ein. Direkt am ersten Abend durften wir an einem traditionellen bretonischen Volksfest teilnehmen. TekMao und andere Künstler untermalten den gesamten Abend mit traditioneller Live-Musik, während alle Anwesenden verschiedene Tänze tanzten, die wohl zum Brauch solcher Feste gehörten. Gemeinsam tanzten auch wir als Band mit Jung und Alt und gehörten einfach nur dazu. Es war ein sehr schöner Abend, der uns allen lange im Gedächtnis bleiben wird.

Der nächste Tag startete mit Baguette, Croissant, Schokoladenbrötchen und salziger Butter. Diese Kombination war zwar neu für uns, hinderte uns jedoch nicht daran, uns etwa eine Stunde lang der Völlerei hinzugeben, bevor wir uns diversen Freizeitaktivitäten widmeten. Leider war am nächsten Morgen schon der Tag der Abreise gekommen. Wir verabschiedeten uns schweren Herzens von den Jungs und fuhren mit dem Gedanken los, dass es gar nicht mehr besser werden könne und wir den Höhepunkt schon erreicht hätten. Dann trafen wir Gwendal.

Gwendal war unser, etwa eine Stunde vor unserer Ankunft auserkorener Kontaktmann der Fede´-B. Gwendal war am Anfang etwas überfordert mit uns, sprach aber ein wenig Deutsch und war einfach nur ein unglaublich liebenswerter Kerl. Wir gingen gemeinsam mit seiner Freundin Julia etwas essen. Dabei erzählten wir viel von uns und Gwendal und Julia erzählten viel von sich. Wir tauschten witzige Klischees aus und fragten Dinge, die wir schon immer mal über Franzosen wissen wollten.

Leo, eine gute Freundin von Eva, ehemalige Mitarbeiterin der Fedé-B und französische Initiatorin des Austauschprojektes stieß später gemeinsam mit Enora dazu. Enora war ebenfalls in der Fedé-B für uns und den Austausch zuständig. Gwendal bot uns als Band die Möglichkeit, bei sich und seinem Mitbewohner, der sich später als der Vorstand der Fedé-B herausstellte, zu schlafen und war ein unübertrefflicher Gastgeber. Nicht nur, dass wir extrem lustige Abende mit ihm verbringen durften, er war zu jeder Tages- und Nachtzeit gewillt uns unseren Aufenthalt so bequem und angenehm wie möglich zu machen.

Am zweiten Tag fuhren wir zum Frühstück zu Leo und aßen dort, bis wir später dann im Proberaum des „La Carène“ eine lange Probe machen durften. Das Equipment und die Räumlichkeiten waren einfach der Hammer, weshalb wir alle unseren Spaß hatten.

Abends gingen wir noch in einen angrenzenden Pub, in dem, wie auf dem Volksfest, traditionelle Musik und Tänze aufgeführt wurden. Zum Zapfenstreich wurden wir dann ausgeworfen, durften unsere Gläser mit dem verbliebenen Bier aber mitnehmen.

Der dritte Tag in Brest begann wieder mit dem Frühstück bei Leo, gefolgt von einer ganz besonderen Aktivität. Phil, unser Sänger, wollte gerne einen Ausflug zu einem bestimmten Ort an der Küste machen. Also stiegen wir ins Auto und fuhren etwa eine Stunde in Richtung Küste. Was wir dort sahen, hatte keiner von erwartet. Vor uns ragten messerscharfe Felsen in die Höhe, deren Felswände sich mehrere Meter tief in die schäumend anbrausende Gischt erstreckten. Diese Kulisse war so atemberaubend, dass wir uns dort mehrere Stunden aufhielten und Fotos machten, kletterten und einfach nur die unberührte Natur genossen.

Unser Fazit ist, dass dieser Ort einen weiteren Besuch allemal wert ist. Abends trafen wir uns alle bei Leo und aßen Pizza und verbrachten einen schönen, witzigen Abend zusammen.

Unser vierter Tag in Brest gestaltete sich als eine Tour durch die Altstadt, sowie eine Fahrt mit einer überdimensionierten Gondel, die etwa eine Minute lang ging und dem Ausprobieren eines Fahrrad-Mixers, mit dem Darius für alle Smoothies „radelte“. Darius und Dennis ließen sich beim örtlichen Tätowierer ein Tattoo stechen, das die beiden an ihre Zeit in Brest erinnern sollte.

Abends fanden wir uns im Proberaum des „La Carène“ wieder, wo wir die letzte Probe vor dem Auftritt auf dem „Peterades“-Festival hatten. Auch diese Probe war ein Freudenfeuer an musikalischer Integrität und hat allen Beteiligten viel Freude bereitet.

Abends wurde noch ein wenig mit dem Vorsitzenden der Fedé-B gefeiert. Sein Name war Duncan und er war ebenfalls wie Gwendal sehr nett, wirkte aber so, als wäre er sich seiner Position in der Fachschaft schon bewusst.

Am nächsten Tag fuhren wir direkt nach Quimper, wo wir uns ein französisches Frühstück in einem kleinen Straßencafé gönnten. Wir hatten noch Zeit uns ein wenig umzuschauen, bis dann so langsam der Ernst des Tages losging.

Nach einigen kleinen technischen Problemen, die aber dank einer freundlichen französischen Rockband gelöst werden konnten, ging es endlich los. Die Bühne war extrem groß und sehr gut ausgestattet. Alles wirkte sehr professionell und gut geplant. Zu Beginn des Auftritts waren noch relativ wenige Leute vor der Bühne. Nach den ersten fünf Liedern änderte sich das jedoch, woraufhin eine schön große Menge an Zuschauern vor der Bühne stand und tanzte.

Nach einem erfolgreichen und spaßigen Auftritt verteilten wir CD´s und Sticker an Leute aus dem Publikum und mischten uns sofort unter die Menge. Gwendal, der im Organisationsteam war, sorgte für unser leibliches Wohl, so gut es nur ging und es war fabelhaft. Gut gesättigt und fröhlich traten wir dann langsam den Rückweg nach Brest an, um unsere letzte Nacht in Gwendals und Duncans Appartement zu verbringen.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns gemeinsam von einem völlig verschlafenen und zerzausten Gwendal. Dieser junge Mann hat erheblich dazu beigetragen den Aufenthalt in Brest als eine unvergessliche Banderfahrung wieder mit nach Deutschland zu nehmen.

Eva stand also um 08.18 Uhr auf dem Parkplatz, während Darius noch duschte und sich Ole seine Haare zurechtstylte. Als wir die Sachen im Auto verstauten ging eine etwas schwermütige, aber auch zufriedene Rückfahrt los.

Im Auto redeten wir noch viel über die Eindrücke, die wir sammeln konnten und schickten und Bilder hin und her, hörten gemeinsam neue Musik und schliefen zum Abend hin abwechselnd ein. Als Darius seine Bandkameraden und Eva nachts absetzte, bevor er gemeinsam mit Dennis das Auto zurück zum Mietwagenverleih brachte, verabschiedeten sich alle sehr herzlich von einander. Es waren zwar alle froh, wieder in den gewohnten vier Wänden zu sein, jedoch vermisste man die Anderen direkt schon ein bisschen.

Als Fazit können wir als Band sagen, dass uns dieser Austausch um Einiges weiter

gebracht hat. Bandintern sind wir uns alle wieder ein Stück näher gekommen und sind vernetzter denn je. Musikalisch haben wir viel erleben und auch mitnehmen dürfen, ebenso wie kulturell.

Die Bretagne nicht als typischer Tourist zu erleben, sondern von Einheimischen mitgenommen und integriert zu werden bietet einen ganz anderen Blickwinkel. Die Tatsache, dass eine solche Vernetzung stattfindet und man mit Leuten seines Alters in Kontakt kommt, machte diesen Austausch für uns so wertvoll.

Wir danken mit den abschließenden Worten der Fedé-B, Gwendal, dem absolut coolsten Typen auf dieser Reise, dem „Peterades“-Festival-und Organisationsteam und Leo, die uns in Frankreich viel an die Hand genommen hat.

Wir danken dem Kieler Jugendring für die Chance und die Möglichkeit eine solche Erfahrung machen zu dürfen. Und zu guter Letzt danken wir unserer lieben Eva. Sie hat den langen Weg mit uns auf sich genommen, hatte es nicht immer ganz leicht und war dennoch stets bemüht, liebevoll und hatte für alles Verständnis. Eva war und ist für dieses Projekt ein absoluter Gewinn.

Text: Darius Timmermann (Gitarrist bei Basement Character)